Dorothee Bär im Gespräch mit MAINLIKE

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Dorothee Bär im Interview mit MAINLIKE
Foto: CSU

Die Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur äußert sich über die Rolle der Volksparteien und das politische Engagement von Jugendlichen und Frauen

MAINLIKE: Was macht für Sie eine Volkspartei aus?

Dorothee Bär: Eine Volkspartei muss eine klare Wertebasis haben und dabei einen sehr großen Teil der Bevölkerung ansprechen und für sie ansprechbar sein. Sie muss sich gesellschaftlicher Debatten stellen und darf sie gerne auch mal selbst lostreten. Im Gegensatz zur Klientelpartei, die sich nur um wenige Themen für eine eher kleinere Zahl von Menschen kümmert, muss eine Volkspartei sich gewissermaßen aller großen und kleineren Fragen der Gesellschaft und Politik annehmen.

Eine Volkspartei hinterfragt und diskutiert bestimmte Entwicklungen, wägt ab und bildet sich dann eine Haltung. Und: Eine Volkspartei ist immer auch so heterogen wie eine Gesellschaft, die sie repräsentiert. Das macht es umso spannender!

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MAINLIKE: Wie könnten die Volksparteien Ihrer Meinung nach wieder interessanter werden?

Dorothee Bär: Ich glaube, sie müssen den Menschen deutlich machen, dass sie nicht etwas Elitäres sind, zu dem man nur gehört, wenn man bestimmte Kriterien erfüllt.

Jeder kann und soll am politischen Meinungsbildungsprozess mitmachen. Deshalb muss eine Partei immer auch im Dialog mit der Bevölkerung stehen. Wenn Bürgerinnen und Bürger sich ehrenamtlich engagieren, beispielsweise bei der Feuerwehr, in der Gemeinde oder bei einem Sportverein, dann sehen sie sehr direkt, was sie Gutes tun. Das muss auch so sein, wenn Sie an einem Positionspapier zu einem bestimmten Thema in einer Partei mitarbeiten, oder am Wahlkampfstand stehen und sich mit Bürgerinnen und Bürgern unterhalten.

MAINLIKE: Wie möchten Sie junge Menschen zur aktiven politischen Teilhabe motivieren?

Dorothee Bär: Die Zeiten sind im Moment sehr gut, junge Menschen wieder mehr für Politik zu begeistern, weil viele merken, dass wir uns gerade in einer für Deutschland und Europa entscheidenden Phase befinden und sich sehr viel sehr schnell verändert. Die Menschen realisieren heute wieder mehr als früher, dass sie das, was in der Welt geschieht, unmittelbar betrifft.

Wir müssen junge Menschen motivieren, nicht nur zu meckern oder sich über etwas im Internet aufzuregen, sondern ihre und unsere Zukunft aktiv zu gestalten.

Wir müssen beispielsweise Dialog- und Mitmachmöglichkeiten anbieten zu neuen Themen auf neuen (möglicherweise digitalen) Wegen. Wir müssen dann auch dokumentieren, was aus den Ideen geworden ist, die man als Input bekommt. Arbeit für den Papierkorb oder für das Parteiarchiv kommt sicher nicht gut an.

Neue Veranstaltungsformate, die den direkten Kontakt mit Vertreterinnen und Vertretern der Partei ermöglichen, auch mit dem „Spitzenpersonal“, sind eine weitere Möglichkeit, junge Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Inhalt, Kommunikation und Zielgruppe müssen zusammenpassen: Eine Partei darf kein elitärer Kreis der Wissenden und Eingeweihten sein, sondern ein Ort der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung und Zusammenarbeit.

MAINLIKE: Wie können sich insbesondere Frauen mehr in die Politik einbringen?

Dorothee Bär: Dazu gibt es mehrere Wege: Zum Einen, indem sie sich stärker für ihre Themen einsetzen und sie auch innerhalb der Parteien möglichst prominent platzieren.

Zum anderen bieten sich durch neue Möglichkeiten der politischen Gestaltung – etwa durch die Digitalisierung – heute neue Möglichkeiten, sich zeit- und ortsunabhängig einzubringen. Politik wird heute nicht mehr am Stammtisch im Wirtshaus gemacht, sondern überall und zu jeder Zeit – und das ist besonders für Frauen eine große Chance.