Liebe. Friede. Weihnachtszeit.

Diakon Manfred Griebel
Diakon Manfred Griebel. Foto: Mainlike

Manfred Griebel ist Diakon und Krankenhausseelsorger in der Pfarrei St. Kilian Haßfurt. Zur Einstimmung auf ein besinnliches Weihnachtsfest beschreibt Manfred Griebel was ihn, ganz persönlich zu Weihnachten bewegt.

„Und Geschenke das ist ja das allerwichtigste an Weihnachten.
Und dennoch – ich weiß ja nicht wie es euch ergeht?
Ist Geschenke-kaufen oft nicht auch ein ganz gehöriger Stress?
Allein schon die schlaflosen Nächte –  was schenke ich?
Was bekomme ich wo und wann? Wieviel gebe ich aus?
Hab ich auch wirklich keinen vergessen?“

Es haben sich die Menschen verändert.

Ist es nicht schon verrückt, dass man sich manchmal krampfhaft Gedanken machen muß, was ich verschenke und womit ich jemanden eine Freude bereiten kann? Leben wir nicht in einer Welt in der vieles so selbstverständlich ist. Man hat oft den Eindruck, dass sich die Welt nicht groß verändert hat – es haben sich die Menschen verändert. Weihnachten ist für mich auch die Zeit der Sehnsucht. Sehnsucht ist das liebende Verlangen nach dem, was mein Herz zutiefst erfüllen und befriedigen kann. Wir alle haben in unserem Leben oft menschliche Sehnsüchte. Jeder von uns hat doch  Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Liebe, Freude und Glück. Weihnachten ist eine Zeit, die besonders unsere inneren Gefühle wachrütteln will. Und jeder von uns hat unterschiedliche Gefühle, Erwartungen und  Sehnsüchte.

Wie erlebt man Weihnachten im Krankenhaus

Und wie erlebt man Weihnachten im Krankenhaus? Ich bin seit 22 Jahren als Seelsorger im Krankenhaus tätig und das ist so auch für mich, für die Patienten, die Angehörigen und das Personal eine ganz „besonderer“ und „andere“ Zeit. Weihnachten will uns ganz was anders sagen und zeigen… – Weihnachten sollte und will uns wachrütteln und zum Kern des Festes zurückführen…
Weihnachten wird uns auch etwas ganz Besonderes geschenkt – aber es ist kein Geschenk in Goldpapier und fein verpackt – es ist ein Geschenk, das uns allen zuteil werden soll – es ist ein kleines Kind in einer Krippe. Und von was sind wir  ergriffen?
Was sagt uns – mir ganz persönlich – Weihnachten überhaupt noch? Was steht auf meinen Wunschzettel? Was zählt wirklich in meinem Leben – welchen Stellenwert hat Weihnachten? Speziell in diesen Wochen treffe ich gerade im Krankenhaus, im Altenheim oder mitten auf der Straße   auf die unterschiedlichen Sehnsüchte und Hoffnungen der Menschen. Weihnachten will unsere Gefühle wachrütteln. Weihnachten will uns dieses ganz besondere Licht – Jesus Christus, der als Mensch zur Welt kam, ein helles Licht für unsere inneren Dunkelheiten schenken.

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Das Wichtigste von einem Geschenk ist der Inhalt – das was man erst einmal nicht sieht. So wie beim Menschen – wir beurteilen uns oft auch von außen und blicken viel zu wenig auf den Inhalt, auf den Kern, auf das Herz und auf die Seele.Ich habe auch ein Päckchen dabei und möchte euch ein paar ganz wertvolle Geschenke weitergeben. Geschenke, die jeder in sich trägt und nur verschenken muss.

Freude
Aus dem Herzen zu freuen…sich zu freuen über die „kleinen“ Kleinigkeiten – diese Freude auch dem anderen zu zeigen und sich auch mit dem anderen zu freuen.
Schenken heißt auch, sich über jedes Geschenk zu freuen, ohne daß ich schnell etwas anderes zurückschenken muss.
Oder vom Gruß des Engels: Ich verkündige Euch eine große Freude – heute ist euch der Heiland geboren“

Liebe
Das kleine Kind in der Krippe schenkt uns seine ganze Liebe.
Und das bleibt bis Heute: Jedes Kind das geboren wird, ist der größte Liebesbeweis Gottes an uns Menschen.

Frieden
Die Botschaft von Weihnachten: Frieden auf Erden!
Wer den inneren Frieden in sich trägt, der ist auch ein zufriedener und ausgeglichener Mensch.

Zeit
Zeit ist so wertvoll – die Zeit zu nutzen, zu spüren, wann ist es Zeit, mal Zeit für mich und Zeit für meine Seele zu finden.
Die Zeit als Glücksgeschenk zu erkennen.

Gesundheit
Es ist das allerhöchste Gut. Es ist das Geschenk schlechthin – und für viele das selbstverständlichste der Welt.. – ist es eben nicht!

An kleinen Dingen das Große neu entdecken

Ich wünsche uns und Euch deshalb ein menschliches und ein dankbares Fest. Dass wir auch weiterhin spüren und täglich umsetzen, worauf es nicht nur an Weihnachten, sondern jeden Tag aufs neue ankommt. Dass wir menschlich miteinander umgehen, dass wir an Kleinigkeiten das Wesentliche erkennen. Wir leben doch sehr oft in einer absolut durchgeknallten und verrückten Welt. In einer Welt in der wir meinen, dass wir alles im Griff haben – wo wir meinen, das wir die Größten sind – und dennoch werden uns sehr oft die Grenzen  aufgezeichnet.
Ich meine, dass wir an den ganz kleinen Dingen und Werten das „ganz Große“ wieder neu entdecken sollten – oder müssen.
Einfach mal ein „Danke“, ein „Bitte“, ein „Tut mir leid“, oder einfach nur miteinander Schweigen  und manches zusammen Aushalten.

Gefühle zu Weihnachten kostet keinen Cent

Das „Wahre“ im Leben spielt sich oft auf ganz anderen Bühnen und „Märkten“ ab – das Wahre im Leben ist im Menschen mitten-drin – in seinem Herzen! Ich erlebe seit Jahren das schönste und tiefste Weihnachtsgeschenk in den Adventswochen und mitten in der Heiligen Nacht im Krankenhaus. Es sind Begegnungen, Erlebnisse und Gefühle, die man nicht bezahlen kann. Was für ein Geschenk – gratis – es kostet keinen Centund dringt durch Mark und Knochen. Das ist Weihnachten! Kranke Menschen machen sehr schmerzhaft die Erfahrung, dass sie zwangsläufig Hilfe annehmen müssen. Sie würden viel lieber geben als nehmen. Bei meinen Besuchen und Gesprächen in den Krankenhäusern bin ich mir nicht immer sicher, wer der Gebende oder der Nehmende ist, der Schenkende oder der Beschenkte.

Nach der Christmette „Stille Nacht“ auf der Station

Und der „Höhepunkt“ ist der Besuch der Station in der Heiligen Nacht, wenn ich nach der Christmette mitten in der Nacht mit den Patienten und dem Personal in „Stille Nacht“ einstimme, und dass es dann auch für all jene, die ihre Weihnachten im Krankenhaus erleben, auch eine „heilige Nacht“ ist. Das ist für mich Weihnachten! Sich mit ganz einfachen – aber extrem wertvollen Geschenken eine große Freude zu bereiten. Und solche unbezahlbaren Geschenke und somit ein neues Aufblühen und eine verheißungsvolle Sehnsucht im Herzen wünsche ich besonders jenen, die sich in diesen Tagen danach sehnen.

Herzlichst Ihr Manfred Griebel.

Pfarrei St. Kilian, Haßfurt