„Die Pflegeberufe brauchen eine größere Wertschätzung“

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Mit einem süßen Marmeladengruß aus der Kreisstadt dankte Landtagsabgeordneter Steffen Vogel seinem MdL-Kollegen Hermann Imhof - Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung – der zu einem Pflegestammtisch nach Haßfurt gekommen war.
  1. MdL Steffen Vogel lud zu einem Meinungsaustausch mit Pflegekräften

HASSFURT – Vertreter von Sozialstationen, Pflegeheimen und Pflegediensten, sowie Pflegepersonal und Mitarbeiter der Haßberg-Kliniken waren kürzlich der Einladung zum Pflegestammtisch ins Mehrgenerationenhaus nach Haßfurt gefolgt, um sich mit Vertretern der Politik über das Thema Pflege auszutauschen.

Eingeladen hatte der Abgeordnete Steffen Vogel, selbst Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und Pflege im Bayerischen Landtag, zusammen mit seinem MdL-Kollegen Hermann Imhof. Was der Gesellschaft eine menschenwürdige Versorgung wert sei, stellte Imhof eingangs die Frage an die rund 35 anwesenden Personen. Der aus Nürnberg angereiste Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung Imhof hatte, wie auch MdL Vogel keine große Rede zurechtgelegt. Beide wollten die Anregungen der „Praktiker, all jenen, die in den Heimen oder bei den Pflegenden Zuhause die wertvolle Arbeit am Menschen verrichteten“ Gehör schenken und in Erfahrungen in die parlamentarische Arbeit in München und Berlin einbringen.

Dabei sei, so nach Ansicht vieler Pflegekräfte, nicht die Bezahlung das größte Problem in der Pflege, sondern die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsbelastung seien oft untragbar und müssen sich dringend verbessert werden“ so das Fazit einer Teilnehmerin. Oftmals leiden die Fachkräfte unter enormem physischem und psychischem Druck. Vieles sei minutengenau vorgegeben und der „Takt“ müsse eingehalten werden. Hinzu komme eine überbordende Bürokratie, die Zeit koste und am Menschen fehle, so eine andere Teilnehmerin. „Ich würde auch gerne lieber und öfter unseren Bewohnern ein Buch vorlesen, gemeinsam ein Spiel machen oder einen Spaziergang im Freien machen“, gab eine Pflegefachkraft zu bedenken, doch sie selbst seien zu sehr in der alltäglichen Routine und Bürokratie gefangen. Pflegehelfer oder freiwillige Helfer würden dann oftmals das Spielen, Reden oder Spazierengehen übernehmen.

Um Kosten zu sparen – und damit im Wettbewerbsvorteil zu anderen Pflegeeinrichtungen zu sein – würden viele Einrichtungen oftmals am Personal, also an der falschen Stelle, sparen. Der Personal- und Nachtwachenschlüssel, also das Verhältnis von Pflegekraft zu Pflegebedürftigen, war ebenso immer wieder Kritikpunkt am Abend.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass dieser Schlüssel gesenkt werden müsse, um eine Entlastung für die Pflegerinnen und Pfleger und damit auch mehr Qualität in der Pflege erzielen zu können. Den Beteiligten war auch klar, dass dies zu Mehrkosten führen würde. „Jedem Einzelnen, aber auch unserer Gesellschaft muss eine menschenwürdige Pflege mehr wert sein“, so MdL Hermann Imhof, der bemängelte, dass man bei dem Pflegestrukturgesetz nicht die Beiträge zur Pflegeversicherung gleich um einen Prozentpunkt erhöht habe, weil dies nochmals 5 Milliarden Euro in die Pflegekassen gespült hätte.

Breiten Raum in der Diskussion nahm die Ausbildung und Nachwuchsgewinnung im Kranken- und Pflegebereich ein. So sei bereits heute schon ein Mangel an qualifizierten Kräften überall, vor allem in den Städten, aber auch auf dem Land spürbar. Diesem Mangel müsse gezielt mit positiver Imagewerbung für die Pflegeberufe an den Schulen entgegengewirkt werden. Generell verdiene der Pflegeberuf aufgrund seiner Wichtigkeit eine höhere Wertschätzung durch Gesellschaft und Politik, so eine Teilnehmerin.

Bei der „generalistischen Pflegeausbildung“, also der beabsichtigten Zusammenfassung der Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege in einer Berufsausbildung waren sich die Teilnehmer einig, dass diese nicht „vom Ende her“ gedacht wurde. Die Ausbildung in allen Pflegeschulen beginnt demnach mit jener zweijährigen generalistischen Pflegeausbildung. Danach entscheiden die Auszubildenden, ob sie im dritten Jahr die allgemeine Ausbildung mit einem bestimmten Schwerpunkt fortsetzen oder im Bereich der Kinderkranken- oder der Altenpflege den klassischen Abschluss wählen. Fachkräfte mit der generalistischen Ausbildung, die dann einen Schwerpunkt in der Kranken-, Alten- oder Kinderkrankenpflege haben, sollen künftig in allen drei Berufsfeldern einsetzbar sein. Eine anwesende Pflegekraft meinte skeptisch, dass „doch nicht in einem Crashkurs der Unterschied und die medizinischen Feinheiten zwischen Kinderkrankenschwester oder Altenpfleger herausgearbeitet werden können.“ Es herrschte insgesamt die Befürchtung vor, dass die „generalistische Ausbildung“ eher der Altenpflege schade, da mehr in den Bereich der Krankenpflege dann abwandern würden.

Anke Schäflein vom Kreis-Caritas-Verband forderte unbedingt, die Ausbildungsumlage für Einrichtungen in Bayern einzuführen, die nicht ausbilden und nicht darauf zu warten, was in Berlin in der neuen Koalition beschlossen werden würde. „Wir müssen mehr Druck für Ausbildung aufbauen“, so Anke Schäflein.

Nicht nur die Altenpflege und deren Herausforderungen war Thema des Abends, sondern auch die Engpässe in den Kliniken wurden massiv kritisiert. MdL Steffen Vogel konnte dem beipflichten und zitieren, dass die Zahl der Ärzte in Kliniken seit 1991 um über 60 Prozent gestiegen sei, während die Zahl der Pflegekräfte sogar zurückgegangen sei, so Vogel.

Alle Wortmeldungen und Anregungen wollen die Landtagsabgeordneten Steffen Vogel und Hermann Imhof nun aufarbeiten und im Ausschuss für Gesundheit und Pflege thematisch einbringen, wie auch Vorschläge zur Finanzierung und Arbeitsplatzgestaltung in den Pflegeberufen. Beide versprachen weiterhin Ansprechpartner zu bleiben und zu unterstützen und dankten den Teilnehmern abschließend für die Offenheit und konstruktive Kritik. „Doch gilt unser Dank auch allen pflegenden Angehörigen, denn auch sie sind stille Helden“, so der Abgeordnete Steffen Vogel. Bereits im kommenden Jahr soll so dann zum nächsten Pflegestammtisch wieder geladen werden.